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Apr 15

1. April

Tag: sigi.hiss @ 15:11

Auf Château Cantemerle
Haut-Médoc, St.-Estèphe, St.-Julien & Pauillac – Wie immer Blindverkostung

Es gibt einige Weingüter im Bordeaux die nicht gerade ein kleines Château ihr eigen nennen, genügend Fläche haben fast alle, ebenso wie eine herrlich angelegte Gartenanlage. Cantemerle ist da eine Ausnahme, denn deren Besitz gleicht einer Parkanlage, in der man einige Stunden verbringen kann, ohne denselben Ort zweimal zu sehen. Sehr gepflegte & weitläufige Gebäude, mit Stil renoviert.

Verkostungsraum

Verkostungsraum

Zu den Weinen. In diesen Gebieten steht der Cabernet Sauvignon im Vordergrund, natürlich Ausnahmen versehen. Dies, so die Aussagen über den Witterungsverlauf, sollte sich in eher grünlichen Weinen zeigen. Leicht unreifes Tannin sei einer der Hauptprotagonisten in den Weinen der Cabernet Sauvignon dominierten AOC’s – entsprach das den zu verkostenden Weinen? Grundsätzlich JA, aber mit sehr vielen, Ausnahmen bestätigen die Regel Weinen. Weiter unten die gemachten Erfahrungen & den daraus gezogenen Tendenzen.
Bevor ich es vergesse: Man stellt immer wieder fest, dass die Muster des gleichen Weines stellenweise sehr unterschiedlich sein können, gleichgültig ob Weiss trocken, Weiss süss oder Rot. Brachiales Beispiel waren die Weissen, welche ich auf Smith Haut Lafite probierte (zumindest so lange es ging). Die allermeisten waren sehr flach, vom Schwefel dominiert, hart & ohne Frucht. Es ist aber immer wieder erstaunlich, was man so nebenbei & ungewollt mitbekommt, wenn euphorisch über Aromen, Komplexität gesprochen wird & endgültige Urteile gefällt werden. Dieselben Weine hingegen glänzten auf Domaine Chevalier mit präsenter Frucht, deutlich mehr Tiefe & Komplexität.

In Reih & Glied

In Reih & Glied

Die hier probierten Weine stellen die Besten dar, es gab einige die vor lauter Bitterkeit, Adstringenz der Gerbstoffe & des Holztannins fast an Körperverletzung grenzten. Wie sagte ein neben mir sitzender MW:“ An essence of green & unripe peelings of Walnuts“.

Haut-Medoc
Château Coufran könnte einer der Kandidaten sein, die ich zu einem extrem ungünstigen Zeitraum verkostet habe. Herrlich pflaumige Nase aber im Mund Power & Alkohol & eine fast extreme Bitterkeit & grüne Aromatik. Ich habe jedoch das Gefühl, dass da eine sehr gute Frucht momentan komplett verdeckt ist, heißt: abwarten & nochmals probieren. Château Malescasse schmeckte noch wie inmitten der Gärung steckend, mit säuerlicher & sehr diffuser Art & einem Hauch CO2 – hier gilt gleiches wie bei Coufran. Château Beaumont sehr eigen im floralen Stil mit saftiger Art, moderatem Tannin & leicht grünlicher Paprika-Aromatik, aber gut. Château Camensac zwar mit sattem Tannin aber einer guten Balance & dichter Frucht. Château de Lamarque war schon gut zugänglich, moderner Ausbau gut gemacht – ich kenne den Preis nicht, wird er sehr moderat dann stimmt das PLV. Château Belgrave ist dem de Lamarque relativ ähnlich, einfach einen Hauch besser. Château Cantemerle überrascht mit sehr reifem Tannin, sehr guter Substanz & schon sehr zugänglicher Art – dürfte bald nach der Abfüllung für Trinkgenuss sorgen, guter bis sehr guter Wein. Bei Château Citran könnte ich etwas zu tief liegen in der Bewertung. Ein sehr dichter, kraftvoller schon sehr fruchtiger Wein mit noch sprödem Tannin & kargem Abgang – auf jeden Fall ein sehr guter Wein, keine Frage. Für mich die Spitze der probierten Weine war Château La Tour Carnet. Momentan sehr verschlossen mit satter noch harter Tanninstruktur aber einem guten Potenzial & einem Ansatz zur Größe. Sociando-Mallet & La Lagune habe ich nur sehr schnell probiert & beide als gut bis sehr gut eingestuft.

Saint-Estèphe
Ganz gut von Kollegen wurde Château Cos Labory bewertet. Meine Flasche war nur hart, extrem adstringierend, als ob man in einen Korken beisst. Château Ormes de Pez mit wunderschöner Nase, tief & komplex & mit sehr mineralischem aber alkoholischem Gaumen – etwas aus der Balance. Château Lafon-Rochet ist sehr unfertig mit etwas grünlichem Tannin, jedoch dichter Frucht dahinter, man muss warten & nochmals probieren. Am besten gefiel mir Château Phélan-Ségur mit einer hervorragenden Balance von Tannin, Alkohol, Extrakt & Säure. Zwar alles noch sehr verschlossen aber die Qualität ist deutlicher erkennbar. Montrose & Cos d’Estournel habe ich leider nicht verkostet, sollen aber auf dem gewohnten Niveau sein.

St.-Julien
Eine sehr homogene & qualitative hochwertige Palette konnte ich hier verkosten. Fangen wir mit einer sehr fragwürdigen Flasche Léovile Barton an. Der Wein war extrem schwierig & mit einer alles überdeckenden Bitterkeit beschlagen, eine 2. Flasche, sprichwörtlich im vorbei gehen probiert, war besser – nachprobieren. Branaire-Ducru mit sehr schöner grafitartiger Nase, einem noch sehr sperrigen Mundgefühl aber auch sehr saftiger Frucht – sollte sich sehr gut entwickeln. Saint-Piere war schon sehr offen & zugänglich mit tiefer schwarzbeeriger Frucht & einer tollen Balance – sicherlich ein sehr guter PLV Wert.

Alu-Verpackung - Christo lässt grüssen.

Alu-Verpackung - Christo lässt grüssen.

Langoa Barton bestach mit deutlicher Röstaromatik, schokoladiger Art, einer frischen Säure & wuchtiger Struktur & gehört eher zu den Kraftprotzen als zu den Eleganten – trotzdem sehr gut. Gruaud-Larose ist nicht unähnlich: Dicht, kraftvoll, sehr mineralisch, mit reifem Tannin & einer erdig-trüffelligen & brombeerigen Aromatik. Grosses Lagerpotenzial, sollte in ein paar Jahren viel mehr preisgeben – Mix aus Kraft & Finesse. Beychevelle in typischer Manier mit eleganter & moderner Nase, geprägt von leicht rauchig-speckigen & versteckten Cassisaromen. Im Mund mit geschliffenem Tannin (fast schon zu geschliffen?), sehr guter Balance, saftiger Frucht & einem dichten aber eleganten Abgang. Ein sowohl in der Nase als auch im Mund sehr dichter Léoville Poyferré, zeigte reifes Tannin, Finesse & auch ein gutes Lagerpotenzial an. Satte Frucht, sehr langer Abgang – irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier ein hervorragender Léoville Poyferré entsteht. Geradezu das Gegenteil in diesem Stadium in Sachen Balance scheint der Lagrange zu sein. Eine sehr tiefe & klare Nase mit deutlichen Roten Johannisbeeren – am Gaumen hingegen hat noch keine der Komponenten seinen Platz auch nur annähernd gefunden. Sehr wuchtig, brutales Tannin, knochentrocken, hart, hoher Extrakt aber momentan eben ohne jegliche Balance- trotz alledem ein sehr guter Wein der eher zur Power als zur Eleganz neigt & ein sehr gutes Alterungspotenzial besitzen dürfte. Für mich der Beste dieser Saint-Julien Probe war Talbot mit einer hervorragenden Mischung aus Dichte, Kraft, Balance & Mineralität – herausragend war der sehr pure & rein schmeckende Fruchtextrakt. Alles wirkt sehr kompakt & ausbalanciert mit sehr hohem Potenzial – Klasse. Es fehlt hier Léoville-Las-Cases, Ducru-Beaucaillou & Gloria, die ich nicht verkosten konnte.

Pauillac
Sehr gutes durchschnittliches Niveau, vielleicht von mir etwas unterbewertet. Die Grossen habe ich leider nicht verkostet, man muss das System bei den BDX-Primeurs erst „erlernen“, um alles verkosten zu können – 2010 weiß ich, was zu tun ist.
Hier muss ich mit 2 Weinen anfangen die schlichtweg so brachial vom Holztannin belegt zeigten, dass sie nicht bewertbar waren. Zum einen war das Pichon Longueville Comtesse Lalande bei dem ich unter anderem Folgendes notierte:“… komplett vom Holztannin belegt, sehr schwierig, null Frucht & Struktur erkennbar, aber evtl. mit Substanz dahinter?…“. Geht man mal davon aus, dass PCL im Normalfall zu den Besten des Gebietes gehört, so ist wohl diese angedeutete Substanz vorhanden . Die Nase war übrigens hervorragend, tief, dichtes Cassis & Schokonoten. Pichon Longueville Baron habe ich nicht verkostet, wird aber allgemein etwas schwächer eingeschätzt. Der zweite Kandidat war Armailhac, auch hier eine wunderschöne klare Aromatik der Nase, aber im Mund wie der PLC:“ ….brachiales Tannin, extremes Holztannin, Frucht erahnbar, fast nicht zu bewerten, könnte grosser Wein sein, ….“. Ich versuche Armailhac im Auge zu behalten & nochmal zu probieren. Weiter in der Reihenfolge der besten Bewertungen. Hier ist Grand-Puy-Ducasse ein sehr guter bis hervorragender Wein gelungen mit kraftvoller bis leicht wuchtiger Art, dichtem noch sehr adstringierendem Tannin, sehr konzentrierter Frucht, welche das Tannin überleben wird – sehr gutes Alterungspotenzial. Batailley steht auf einer Stufe mit Grand-Puy-Ducasse, ist jedoch deutlich zugänglicher, balancierter & mit einer sehr klaren Frucht ausgestattet. Dazu steht er deutlich in der eleganten Ecke & dürfte früher trinkbar sein, mit sattem Rückgrat an Extrakt, was ihm ein ähnliches Potenzial wie dem Grand-Puy-Ducasse verleiht. Lynch Moussas war schon sehr offen mit lockerer, etwas alkoholisch wirkender Art. Reife Sauerkirsche mit etwas kaltem Rauch, moderates Tannin & einer frischen Säure zeichnen ihn aus. Dürfte schon früh zugänglich sein & stellt sicher ein gutes PLV dar. Haut-Bages-Libéral auf gleichem Niveau nur deutlich wuchtiger, sehr offen & zugänglich. Von eingelegten Früchten bzw. Rumtopffrüchten dominiert, gewisse Überreife anzeigend & deshalb nur mit mittlerem Lagerpotenzial. Croizet Bages zeigt vollreife Frucht, karamelliges mürbes Tannin & scheint auch schon relativ zugänglich zu sein – ein guter Wein. Dagegen Lynch Bages mit sehr dezenter Nase (etwas rote Frucht & leicht alkoholisch) & im Mund mit erstmal sehr grünlicher Frucht & sattem leicht walnussigem Tannin. Dahinter steht dann kräftiger Alkohol & eine vollreife sehr reife Frucht, guter bis sehr guter Wein, evtl. unterbewertet. Der Pontet-Canet ist ein sehr guter aber auch wuchtiger BDX, mit burschikoser Art & saftiger Frucht hinter dem noch dominanten Barrique – einzig der Alkohol könnte zu wenig ausbalanciert sein. Bei Clerc Milon steht der Alkohol sehr im Vordergrund, auch bedingt durch das vom Barrique kommende Holztannin & die dadurch zurückgedrängte Frucht. Sehr ausladende Struktur mit breitem Abgang – schwierig zu bewerten. Latour muss hervorragend sein, es herrschte Einstimmigkeit in Sachen Latour während den Verkostungen. Bei Mouton Rothschild habe ich wenig an Kommentaren von Kollegen mitbekommen & bei Lafite Rothschild ging es von Ausnahmewein bis sehr gut.

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